Namensgeschichte

Ein Versuch zur Namensgeschichte SUFRYD

Der folgende Versuch, die Herkunft des Namens SUFRYD zu beschreiben, ist aus meiner, sicher deutschen Sicht erfolgt.
Es wäre für mich spannend zu erfahren, wie die polnischen Namensträger diesen Versuch werten.

Häufig wurde ich in der Vergangenheit schon gefragt, woher denn der Name Sufryd stammt. Besonders Ärzte scheinen ein Faible für die Herkunft meines Namens zu haben. Eine Erklärung hatte ich lange Zeit nicht. Erst nachdem ich mich mit der Familienforschung beschäftigte, wurde die Frage auch für mich aktuell, und ich begann einige Nachforschungen anzustellen.
Zunächst fand ich eine Urkunde von Siegfried von Westerburg, einem Erzbischof von Köln, vom 3. November 1294 (1) . Der Text beginnt in Latein: „Syfridus Die gratia sancte Coloniensis ecclesie archiepiscopus …“ (übersetzt: Syfridus, von Gottes Gnaden Erzbischof der heiligen Kölner Kirche…) Dieser Urkunde verdanke ich den erstem Hinweis, dass der Name Sufryd auf den Vornamen Siegfried zurückgehen könnte.
Dieser Hinweis wurde konkretisiert durch die Beantwortung einer Anfrage bei dem Namensforscher Prof. Derks in Essen. Nach seinen Ausführungen (2) ist der Familienname „mit großer Gewissheit ein deutscher“. Er schreibt weiter: Der Name „geht auf den altdeutschen Personennamen Sigifrid, Sigfrid zurück“, der leicht aus den althochdeutschen Wörtern sigi‚ der Sieg‘ und fridu‚ der Friede‘ zu übersetzen ist. Zeitlich kann man den Namen ins 8.-11. Jahrhundert datieren. Bekannt wurde der Name durch den Held des Nibelungen-Liedes S î f r i d um 1200.
Bei dieser Namensgebung handelt es sich um eine sogen. patronymische Namensform. Ein Vater gab seinen Rufnamen an seine Kinder weiter. Dieser Name wurde dann zunehmend eigenständig als Familiennamen verwendet. Dies begann im 12 Jh., vor allem in Städten in Südwestdeutschland (3).
Das ist alles sehr aufschlussreich, nur kommen meine Vorfahren nicht aus Deutschland, sondern aus Polen.
Nun wurde ich auf eine Nennung in der Regestensammlung: „Die preußischen Städte- und Ständetage bis 1453“ für das Jahr 1450 hingewiesen (4). Dort wird der Namen unter d. erwähnt:
„Zyfryd (Schade) ist mit Gewalt von der Herrschaft ins Gefängnis gelegt worden und mußte sich freikaufen.“
Es ist nicht klar, ob der Name hier als Vor- oder Nachname steht. Für mich wichtiger ist überhaupt seine Nennung. Er taucht also schon sehr frühzeitig in polnischen Landen auf.
Die Herkunft meiner Vorfahren kann ich nicht so weit zurück datieren. Aber meine Großeltern väterlicherseits kommen ebenfalls aus Polen, genauer aus dem Pfarrsprengel Wysocko bei Ostrów Wielkopolski. Der Pfarrsprengel Groß Wysocko bestand aus mehreren Weilern: u.a. W. major, W. minor, Sadowie, Wturek. Beim Studium der Kirchenbücher dieser Pfarre (anhand der Mikrofilme der Kirche Jesu Christi) stieß ich auch auf verschiedene Schreibweisen.(5)

Anhand dieser Tabelle kann man m.E. eine „kleine“ Namensgeschichte ablesen. Vielleicht wird der altdeutsche Name Sigifrid hier in polnischer Form zu Zygifryd, wenn man die verschiedenen Endungen zunächst außer Acht lässt. Dann verschwindet zuerst das i zu Zygfryd, anschließend das g zu Zyfryd. Mitte des 19. Jh. wird das ‚polnische‘ Z durch ein ‚deutsches‘ S ersetzt. Das Posener Land war seit der 2. Teilung Polens in der Interessensphäre Preußens (ab 1796). Es erfolgte vielleicht eine langsame Namensangleichung an die dt. Sprache. Gleichzeitig verschwindet das Y in der Vorsilbe immer mehr und wird durch das U verdrängt.
Nicht mit allen Namensträgern in dieser Liste kann ich bisher eine Verwandtschaft nachweisen. Es ist auch noch nicht bekannt, ob alle Namensträger miteinander verwandt waren, obwohl sie in derselben Dorfgruppe wohnten. Es deutet vieles darauf hin, z.B. bei der Nennung der Paten. Manchmal ist ein und dieselbe Person mit verschiedenen Namen benannt. Der älteste gesicherte Namensnennung aus meiner Vorfahrenliste geht auf Sufryd, Joseph, geboren 1841 in Wysocko zurück. Sein Vater ist als Zyfryd eingetragen. Dies stellt zunächst eine Nebenbenennung dar, die aber ab etwa 1836 – 1853 die meisten Eintragungen aufweist. Es fällt auf, dass sich bestimmte Schreibweisen langsam entwickeln. Sie tauchen in den Urkunde erst wenige Male auf, dann erhöht sich die Anzahl der Nennungen zu einem Maximum, um sich dann anschließend langsam wieder zu verabschieden. Nur der Namen Sufryd ist in diesen Büchern seit 1866 ausschließlich vorhanden.

Die Endungsformen sind nach einer Auskunft der Gesellschaft für Namenkunde in Leipzig Personennamensuffixe, die im Polnischen wohl häufig vorkommen.
Beispiel: „ziak“
Der Namen erscheint im dt. Telefonbuch etwa ein Dutzend Mal, im poln. dagegen über 100 Mal in der Schriebweise Sufryd, mit Sufryt wohl ca. 60 Mal. Aber auch die Name Zygfryd (4mal) und Sufried (8mal) werden im dt. Telefonbuch aufgeführt. Bei einigen Familien ist die Herkunft aus Polen gesichert. Bei Zyfryd sind die Nennungen in Polen wieder häufiger. Dieser Name ist dort natürlich auch als Vorname oft vertreten.


(1) Kempener Geschichts- und Museumsverein (Hrg.), Kund und zu wissen …, Kempens Geschichte in alten Urkunden, o.J., o.O.
(2) Vgl. Gutachten von Prof. Dr. Paul Derks, Universität Gesamthochschule Essen, vom 20.10.1997
(3) Vgl. Gutachten der Gesellschaft für Namenkunde e.V., Leipzig, vom 21.11.2000
(4) Nachzulesen unter https://www.rrz.uni-hamburg.de/Landesforschung/index.html
(5) Ausgewertet sind alle verfügbaren Mikrofilme des Pfarrsprengels Groß Wysocko bis auf den einen Mikrofilm, der einige Jahrgänge aus dem Zeitraum 1615 – 1796 beinhaltet